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Interview mit Dr. Heidjann Gründer und Geschäftsführer von GetPrice.de über Internationalisierung bei Preisportalen, sein Anliegen mit ShopAuskunft.de und schlaue Mechanismen um Missbrauch vorzubeugen.
Herr Dr. Heidjann ist fest davon überzeugt,".... dass die Rolle der Preisvergleichsportale in Bezug auf Produktberatung und Kaufentscheidung in Zukunft noch wichtiger wird".
Herr Dr. Heidjann, Sie betreiben seit dem Jahr 2000 das Preisportal GetPrice.de und unter gleichen Namen weitere in Israel und Australien. Warum ausgerechnet diese Länder?
Wir haben GetPrice.de im Jahr 2000 mit der Perspektive gegründet, eine internationale Marke aufzubauen. Da wir aber das Prinzip verfolgen, alles aus dem eigenen Cash Flow zu finanzieren, mussten wir die Internationalisierung aus Kostengründen zurückstellen. In der Zwischenzeit ist dann zuerst das Portal in Israel und danach das Portal in Australien entstanden. Beide Portale werden aber nicht von uns, sondern von der Getprice Pty Ltd mit Sitz in Sydney betrieben, mit denen uns ein guter und enger Kontakt verbindet.
Starke ausländische Player wie z.B. LeGuide.com aus Frankreich, aktuell in 12 Länder aktiv, wachsen international sehr schnell. Ist Internationalisierung auch für Sie ein Thema? Können Onlinehändler von der Internationalisierung deutscher Preisportalbetreiber profitieren?
Ja, Internationalisierung ist mittlerweile auch für uns wieder ein größeres Thema. Dazu führen wir gerade Gespräche mit Contentanbietern (Shops und Produktdaten) sowie unseren Freuden aus Australien. Für international aufgestellte Händler ist es allein aus Synergiegründen schon ein Vorteil, wenn Preisvergleiche in mehreren Ländern verfügbar sind.
Herr Dr. Heidjann mit Produktvergleich.de betreiben Sie ein weiteres Preisportal. Die Angebote dort stammen vom Dienstleister Mentasys. Wie aggregieren Sie die Daten für GetPrice.de? Welche Vor- bzw. Nachteile haben Whitelabel-Lösungen für den Betreiber?
Produktvergleich.de ist ein reines White Label Produkt und basiert vollständig auf den Daten von Mentasys / Pangora. Eine solche White – Label Lösung hat den Vorteil, dass man sich um viele arbeitsintensive Prozesse nicht kümmern muss und dadurch enorme Kosten sparen kann. Allerdings hat es auch den Nachteil, dass mit einem reinen White – Label Portal keine Alleinstellungsmerkmale aufbauen kann, da genau die gleichen Informationen auf diversen Shopping – Plattformen zu finden sind. Hier suchen wir aktuell nach neuen Lösungen für Produktvergleich.de, so dass sich dieses schöne Portal von einem „normalen“ Preisvergleich unterscheiden lässt. Bei GetPrice.de aggregieren wir unterschiedliche Datenquellen von diversen Kooperationspartnern.
Seit Anfang des Jahres bieten Sie Besuchern auf GetPrice.de ein visuelles Präferenz-Feature. Je größer ein Produkt dargestellt wird, desto besser passt es zu den individuellen Kunden-Präferenzen. Wie haben Ihre Kunden reagiert?
Mit dem Feature „BestChoice“ haben wir eine innovative, alternative Visualisierung von Suchergebnissen entwickelt, die vor allem den noch unentschlossenen Käufer schneller zum gewünschten Produkt führt. Denn insbesondere bei erklärungsbedürftigen Produkten reichen die heutigen tabellarischen Listendarstellungen nicht mehr aus. Daher haben viele User positiv darauf reagiert und nutzen das Tool regelmäßig als alternative Suche. Natürlich ist die etablierte Suche aber gelernt und wird von der überwiegenden Mehrheit weiterhin genutzt. Wir werden das Projekt aber weiter verfolgen.
Laut AGOF suchen über 90% der Internetnutzer Produktinformationen (z.B. den Preis) im Internet. Auf stromauskunft.de - ein spezialisiertes Preisportal, das Sie seit 2005 in Kooperation mit der Verivox GmbH betreiben-, unterstützen Sie den Anbieterwechsel, mit dem sich schnell 200 Euro Stromkosten pro Jahr sparen lassen. Welche Rolle spielen die Preisvergleicher zukünftig bei Produktberatung und letztendlicher Kaufentscheidung?
Ich bin fest davon überzeugt, dass die Rolle der Preisvergleichsportale in Bezug auf Produktberatung und Kaufentscheidung in Zukunft noch wichtiger wird. Mittlerweile bietet jeder gute Preisvergleich neben Preisinformationen auch ausführliche Produktbeschreibungen,Testberichte, Nutzermeinungen und Häufigkeitsanalysen an. All diese Informationen führen zu einer besseren Kaufentscheidung und einem positiven Kauferlebnis beim Kunden. Für den Fachberater im stationären Handel wird es immer schwerer, bei dem Informationsangebot noch mitzuhalten. Daher wird meiner Meinung nach gerade die Produktberatung mehr und mehr ins Internet verlagert.
Herr Dr. Heidjann mit der unabhängigen Plattform ShopAuskunft.de sammeln Sie Erfahrungen von Kunden und stellen diese kostenlos als Informationsquelle auf GetPrice.de zur Verfügung. Werden Sie diesen Services auch für andere Preisportale anbieten? Wenn ja in welcher Form erfolgt die Einbindung?
Ja, diese Informationen werden auch anderen Partnern zu Verfügung gestellt. Schon in Kürze werden die Shopbewertungen von ShopAuskunft.de auch auf weiteren Portalen zu sehen sein. Wir bieten dazu eine xml- Schnittstelle an, so dass dem Partner umfangreiche Informationen zur Verfügung stehen und er sehr frei in der Art der Integration ist. Jedes Preisportal, das Interesse an diesen Daten hat, kann gerne auf mich zukommen.
Ein altes Werbekaufmanngesetz besagt, dass zu 80 % negative Erfahrungen kommuniziert werden? Wie motivieren sie Ihre Mitglieder zu positiven Berichten? Was unterscheidet ShopAuskunft.de von Dooyoo.de, yopi.de oder Ciao.de?
Eines der größten Hemmnisse im eCommerce ist bislang das mangelnde Vertrauen der Verbraucher. Insbesondere kleine und unbekannte Shops haben damit zu kämpfen. Mit ShopAuskunft möchten wir das Vertrauen der Verbraucher in den Online Handel insgesamt stärken. Dazu arbeiten wir eng mit den Händlern zusammen und ermutigen diese, ihren Kunden nach jedem Kauf eine Bewertung abgeben zu lassen oder einen „Jetzt bewerten“ Button auf Ihre Webseite zu integrieren. Damit kann der Händler seine glücklichen Kunden motivieren, die positiven Erlebnisse auch kund zu tun. Denn eine veröffentlichte positive Bewertung eines Kunden ist letztendlich glaubwürdiger als jede andere Marketingmaßnahme. Ich sehe im Übrigen keine Parallelen zu Doyoo oder Ciao, da diese Portale ihren Fokus auf Produkte legen. ShopAuskunft dagegen legt, wie der Name schon sagt, einen Fokus auf Shops.
Ihr Wettbewerber shopsterne.de von Auspreiser.de unternimmt große Anstrengungen um Manipulationen zu verhindern die automatisch zunehmen, wenn Bewertungsplattformen erfolgreich werden. Wie sorgen Sie für eine faire Bewertung der Shops?
Wir haben uns einige schlaue Mechanismen einfallen lassen, um dem Missbrauch vorzubeugen. So ist jede Bewertung bei ShopAuskunft transaktionsgebunden, d.h. es muss die Bestellnummer angegeben werden. Zudem wird jede neutrale und negative Bewertung erstmal von uns geprüft und dann innerhalb des Systems an den Händler weitergeleitet. Der hat dann eine Woche Zeit, um Stellung zu dem Sachverhalt zu beziehen. Danach kann der Kunde seine Bewertung ändern oder beibehalten. So können im Vorfeld schon sehr viele Missverständnisse und Ungereimtheiten geklärt werden. Erst danach wird der gesamte Bewertungsprozess veröffentlicht und ist für jedermann einsehbar.
Heise.de berichtet kürzlich von „Klickbetrugsrate" über 15 Prozent bei Online-Werbung. Mit Hilfe von Klickrobots generieren Betrüger laut Click Forensics bei Google AdSense sogar schon jeden vierten Klick. Ist Clickbetrug bei Preisportalen ein Thema? Welche Maßnahmen ergreifen Sie?
Bei Preisportalen spielt Klickbetrug meines Erachtens keine große Rolle, da erstens nicht ausschließlich nach Klicks abgerechnet wird und zweitens die meisten Online Händler Ihre Conversion Raten sehr genau messen. Wenn da dann etwas aus dem Ruder läuft, fällt das natürlich sofort auf.
Händler und Softwarehersteller beklagen häufig die unterschiedlichen Datenanforderungen der Preisportale. mpEXPERT plant ein „Get Together“ von Preisportalbetreibern, Shopsoftwareherstellern und Shopbetreibern. Ziel ist Grundlagen für ein standardisiertes Datenformat zu schaffen. Würden Sie teilnehmen? Welche Erwartungen hätten Sie an dieses Treffen? Was wünschen Sie sich an Erfahrungen und Ergebnissen?
Ich bin generell für Standards und würde an einem solchen Treffen sehr gerne teilnehmen.
Zum Abschluss noch etwas persönliches! Welche Preisvergleichsportale nutzen Sie für private Anschaffungen und mit welchem Erfolg?
Da es bei GetPrice ein sehr breites Produktangebot gibt, nutze ich für fast alle Preisrecherchen GetPrice.de. Und das mache ich mit sehr viel Freude und Erfolg, denn neben dem Preis finde ich dort noch zahlreiche weitere Informationen wie z.B. Testberichte, Kundenmeinungen und Shopbewertungen. Falls mal Preisrecherchen zu Produkten oder Dienstleistungen anstehen, die nicht bei GetPrice vorhanden sind, gehe ich zu Spezialanbietern. Meinen Stromanbieter habe ich z.B. über www.stromauskunft.de gewechselt.
Herr Dr. Heidjann, vielen Dank für das Interview.
Das Interview führte Thomas von Hören.
Nach dem Studium der Physik promovierte Jörg Heidjann 1997 an der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster. Sein beruflicher Einstieg führte ihn 1996 als einer der ersten Mitarbeiter zum Online Service AOL, wo er unter anderem verantwortlich für den Aufbau von www.aol.de war. Seine Erfahrung im eCommerce sammelte er bei Primus-Online, wo er die Bereiche Travel, Ticket und Privatauktionen leitete. Im Januar 1999 gehörte mit zu den Gründern von FriendScout 24. Anfang 2000 gründete er den Preisvergleich www.getprice.de, welches heute eines der größten und beliebtesten Preisportale in Deutschland ist. Weiterhin betreibt er mit seiner Firma die Portale www.stromauskunft.de, www.produktvergleich.de und ist Geschäftsführer der ShopAuskunft GmbH & Co KG, die das Shopbewertungsportal www.shopauskunft.de betreibt.
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