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Interview mit Joerg Tuschek, Geschäftsführer von RockBottom.de. Herr Tuschek spricht unter anderem über die Problematik der Preisportale von inhomogenen Zielgruppen und über unterschiedliche Conversionrates.
".. Conversionrate innerhalb einer Branche schwanken teilweise um den Faktor hundert....zwischen einstelligen Prozentbereich und zehntel Promille... Den größten Einfluss auf die Conversionrate hat meiner Ansicht nach die Bekanntheit des Händlers."
Herr Tuschek, bitte schildern Sie unseren Lesern kurz Ihr Unternehmen und Ihr Angebot.
RockBottom.de wurde 1999 in Netz gestellt und ist aus einer Internet-Suchmaschine entstanden. Wir haben die ersten Jahre deutschlandweit das Netz gecrawlt und Produkte auf Webseiten automatisch extrahiert, da nur wenige Shops standardisierte Produktlisten zu Verfügung stellen konnten. Die dabei entwickelten Technologien kommen uns heute zu gute. Viele davon sind darauf ausgerichtet, die unterschiedlichen Datenformate der Händler automatisiert zu verarbeiten.
Dadurch wird der Verwaltungs- und Anpassungsaufwand für die Shopbetreiber und für uns minimiert.
Wir haben momentan ca.12 Millionen Preise von über 2500 Händlern in der Datenbank. Diese verteilen sich auf ca. 130.000 Produkte in etwa 800 Kategorien. Der Fokus liegt dabei auf keiner bestimmten Branche, aber da wir uns früher hauptsächlich Computerequipment und Konsumerelektronik konzentriert haben, ist in diesen Bereichen das Angebot am größten.
Herr Tuschek, wie kam es zu dem Namen „RockBottom“? Ist einen Markenbildung bei einer gleichnamigen Rockband und Radiosendung überhaupt möglich?
Die Idee zum Namen RockBottom hatte ein ehemaliger australischer Partner von mir. „rockbottom prices“ bedeutet im englischsprachigen Raum „absolute Tiefstpreise“. Da wir von vorneherein eine internationale Ausrichtung anstrebten, wollten wir keinen deutschen Namen verwenden. Ich muss jedoch zugeben, dass wenige deutschsprachige Leute mit dem Begriff was anfangen können und er für viele erklärungsbedürftig ist. Eine Verwechslungsgefahr zu der Radiosendung, bzw. Rockband sehe ich nicht. Sie sind der erste, der mich darauf anspricht.
Herr Tuschek, sie sind Partner von GetPrice.de. Was bedeutet das im Detail? Nutzen sie beispielsweise die gleichen Daten?
Die Partnerschaft mit GetPrice ist rein strategisch. Ich kenne und schätze den Geschäftsführer Jörg Heidjann seit einigen Jahren. Wir haben aber keinerlei geschäftliche Beziehungen.
Die Vermarktung von Preisportalen ist trotz ordentlicher PageImpressions ein noch junger Markt. Werbung auf rockbottom.de wird durch den ADselect vermarktet. Außer Google Anzeigen konnten wir aber keine Werbung finden! Welche Aufgaben übernimmt ADselect? Fehlt es eventuell an speziellen Werbeformaten für Preisportale? Was könnten sie sich vorstellen?
Wir haben in der Tat selten Bannerwerbung auf unserer Seite. Es kommen zwar viele Anfragen, aber nur wenige Angebote, die für uns attraktiv sind. Meist liegen die angebotenen TKPs unter unseren Vorstellungen. ADselect ist dabei unser nichtexklusiver Vermarkter der alle Anfragen bezüglich Werbung entgegennimmt und für uns die Werbung ausliefert.
Zielgerichtete Bannerwerbung ist bei uns schwierig zu erreichen. Da sich die Zugriffe bei RockBottom normalerweise auf sehr viele unterschiedliche Kategorien und Produkte verteilen, gibt es auch sehr viele unterschiedliche Zielgruppen. Innerhalb dieser Kategorien hat man zwar eine homogene Zielgruppe, aber meist nicht genügend PIs um relevante Umsätze damit zu erzielen. Also müssten wir für jede Kategorie eine spezielle Kampagne fahren, was sich meist nicht lohnt. Google Adsense oder auch das Ebay Relevance Ad dagegen liefern zu jedem Produkt und jeder Kategorie automatisch relevante Anzeigen und funktionieren dadurch deutlich besser und sind außerdem wartungsfrei.
Herr Tuschek, beschreiben Sie kurz den Aufwand (zeitliche und technische Anforderungen) für einen Händler für ein Listung auf rockbottom.de. Mit welchen Kosten muss er rechnen?
Sofern der Händler eine CSV-Datei zur Verfügung stellen kann, sollte eine Anmeldung in der Regel nicht länger als fünf Minuten dauern, falls er eine Shopinfo.xml Datei zur Verfügung stellen kann, eine Minute. Es ist normalerweise für einen Händler nicht notwendig, ein für uns spezielles Format zur Verfügung zu stellen, da wir die meisten CSV-Formate automatisch erkennen. SetUp-Kosten entstehen für den Händler keine.
Nehmen Sie noch weitere Händler auf? Welche Art von Händlern, in welcher Größe und mit welchem Angebot suchen Sie bevorzugt?
Wir nehmen grundsätzlich jeden Händler auf, der einen seriösen Eindruck macht. Die Größe oder die Branche sind dabei nicht entscheidend. Vorraussetzung ist nur, dass der Händler die Produkte selbst verkauft. WhiteLabel Shops, wie z.B. Zanox @Shops nehmen wir nicht auf.
Herr Tuschek, Sie bieten ein kostenloses Listing inklusive 300 Klicks /Monat gegen die Einbindung eines ihrer Werbemittel. Wieviel % Ihrer Kunden nutzen dieses Angebot? Was kostet jeder weitere Clickout?
Das Angebot der 300 kostenlosen Klicks pro Monat nutzen ca. 70 % unserer Händler. Wir wollen damit kleinen Händlern, ohne große Marketingbudgets, die Möglichkeit bieten bei uns gelistet zu sein. Da unser Fokus darauf liegt, möglichst die günstigsten Angebote und die größte Vielfalt an Einkaufsmöglichkeiten zu bieten, wollen wir auf die kleinen Händler nicht verzichten. Erfahrungsgemäß sind Händler, die deutlich über diese Grenze kommen, finanziell dazu in der Lage, an dem CPC-Programm teilzunehmen. Die Klickpreise sind branchenspezifisch unterschiedlich.
Herr Tuschek, wie viele ClickOuts liefert rockbottom.de pro Tag aus, auf wie viele Händler verteilen die sich?
Die Anzahl der ClickOuts bewegt sich im fünfstelligen Bereich. Diese verteilen sich auf 70% der Händler. Wobei davon zwei Drittel auf Premiumpartner entfallen.
Herr Tuschek, erfragen Sie über den Support die Conversionrate Ihrer Händler? Wie hoch ist dieser durchschnittlich? Ist dieser in den einzelnen Kategorien signifikant unterschiedlich? Was beeinflusst Ihrer Erfahrung nach die Conversionrate am stärksten?
Wir rechnen bei einem Teil der Händler auf CPO-Basis ab. Bei diesen Tracken wir die Conversionrates. Wie hoch die durchschnittliche Conversionrate über alle Händler ist, messen wir nicht. Wir vergleichen normalerweise nur Händler der gleichen Branche, da die Conversionrate von Branche zu Branche variieren. Aber auch innerhalb einer Branche schwanken die Conversionrates stark, teilweise um den Faktor hundert. Im Elektronikbereich haben wir Händler, die im einstelligen Prozentbereich konvertieren, aber auch Händler, die im zehntel Promillebereich konvertieren. Den größten Einfluss auf die Conversionrate hat meiner Ansicht nach die Bekanntheit des Händlers, da diese das Vertrauen steigert. Kunden, für die Internetbestellungen was Neues ist und Kunden, die mal bei einer Internetbestellung enttäuscht wurden, kaufen daher lieber bei bekannten Händlern. Weitere wichtige Einflussfaktoren auf die Conversionrate sind der Internetauftritt des Shops, also das Layout und die Bedienbarkeit, natürlich das Preisniveau aber auch Lieferkosten und Zahlungsmöglichkeiten.
Herr Tuschek, den Datenexport unterstützen Sie über CSV, Shopinfo.xml und auch über das aktive crawlen durch ihren RockBot-Roboter. Wieviel Prozent Ihrer Kunden nutzen welches Format? Sind Trends erkennbar?
Momentan sind ca. 50% unser Händler über CSVs und 50% unser Händler über das Shopinfo.xml Format eingebunden. Das Crawlen von Shops wurde in den letzten Jahren so gut wie nicht mehr angefragt, da inzwischen jeder Händler eine CSV-Produktdatei liefern kann. Daher haben wir diese Art des Produktimports vor kurzem eingestellt. Aber auch, weil die Qualität und Aktualität der Daten von CSV-Dateien naturgemäß besser ist, als die durch das Crawlen gewonnen. Der Trend geht klar in Richtung Shopinfo.xml. Ca. 60% unserer Neuanmeldungen können dieses Format bereitstellen.
Welche Shopsysteme sind unter Ihren Händlern weit verbreitet? Gibt es Shopsysteme die Sie bevorzugen?
Wir erheben keine Statistiken darüber, welche Shopsysteme von den Kunden verwendet werden. Was jedoch auffällt ist, dass sehr viele Händler einen osCommerce Shop, bzw. eine abwandelte Variante, den xtCommerce Shop verwenden. Diese sind leicht zu erkennen, da sich der Aufbau der einzelnen Shops ähnelt. Bevorzugte Shopsystem haben wir keine.
Herr Tuschek, wie schätzen Sie den Nutzen des „Branchenführers Preisvergleichsportale 2007“ für Shopbetreiber, insbesondere für Ihre Kunden ein.
Der Branchenführer ermöglicht es Händlern sich schnell einen Überblick über den Preisvergleichsmarkt zu verschaffen. Dadurch können sie ohne aufwändige Eigenrecheche ermitteln, wo sich eine Anmeldung lohnt.
Herr Tuschek, obwohl Preisportalmarketing das erfolgreichste Onlinewerbeformat ist, sind weniger als 10% der Shops auf Preisportalen gelistet. Woran liegt das?
Dafür gibt es sicherlich mehrere Gründe. Einige Shops haben wohl Angst davor, sich dem Wettbewerb zu stellen, andere scheuen die anfallenden Kosten. Wieder andere betrachten den Webshop eher als zusätzliche Werbeplattform für Ihr Ladengeschäft, sind also nicht an einem Versandhandel interessiert. Dann gibt es viele Shops, die Noname-Produkte, bzw. selbstproduzierte Ware anbieten. Diese sind in der Regel nicht vergleichbar und damit macht die Listung auf einem Preisvergleichsportal wenig Sinn. Wer aber ernsthaft in Internet Handel mit Markenprodukten betreiben will, kommt vermutlich am Preisportalmarketing nicht vorbei.
Würde ein einheitliches Format wie z.B. die Shopinfo.xml von elm@r allen Beteiligten helfen. Wie sehen Sie die Situation?
Meiner Ansicht nach ist das Shopinfo.xml-Format ein sehr sinnvolles Hilfsmittel, welches beiden Seiten, sowohl den Preisvergleichesportalen, als auch den Händlern Vorteile bringt. Die Händler haben z.B. den Vorteil, dass sie Ihre Daten nur an einer Stelle aktualisieren müssen und nicht bei zig Portalen. Den Preisvergleichsvergleichsportalen bietet es die Möglichkeit die Daten des Händlers automatisiert zu verarbeiten, was den Aufwand für eine Neuanmeldung für beide Seiten gegen Null gehen lässt. Die Angst einiger Preisvergleichsportale davor, dass so ein Format dazu führen könnte, dass durch die Einfachheit der Einbindung nun jeder einen Preisvergleich aufziehen könnte, hat sich nicht bewahrheitet. Das Einlesen der Produktdaten macht nur einen Bruchteil dessen aus, was notwendig ist um einen Preisvergleich zu betreiben.
mpEXPERT plant ein „Get Together“ von Preisportalbetreibern, Shopsoftwareherstellern/Entwicklern und Shopbetreibern. Würden Sie teilnehmen? Welche Erwartungen hätten Sie an dieses Treffen? Was wünschen Sie sich an Erfahrungen und Ergebnissen?
So ein Treffen wäre bestimmt interessant. Es könnten sich alle Parteien mal darüber austauschen, welche Probleme es gibt und was man noch verbessern könnte. Konkrete Ergebnisse erwarte ich vom ersten Treffen dieser Art jedoch keine.
mpEXPERT: Zum Abschluss noch etwas persönliches! Welche Preisvergleichsportale nutzen Sie für private Anschaffungen und mit welchem Erfolg?
Natürlich nur RockBottom. Ich teste aber in regelmäßigen Abständen die Konkurrenzfähigkeit unserer Preise gegenüber unseren Mitbewerbern.
Herr Tuschek, vielen Dank für das Interview.
Gesprächspartner war Thomas von Hören
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