Interview mit Markus Hövener, Geschäftsführer und SEO/SEM Spezialist der Bloofusion Germany GmbH über Suchmaschinen-Optimierung und Suchmaschinen-Marketing bei Preisportalen und was Videos fürs „Universal Search“ bedeuten.
„.Video-Inhalte werden als sehr attraktiv wahrgenommen .. für Google ist wichtig, wie oft ein bestimmtes Video aufgerufen und in andere Websites eingebaut ist .......Um das zu erreichen, müsste man mit Heckenscheren aber sicherlich wildere Sachen anstellen..“.
Herr Hövener, bitte schildern Sie unseren Lesern kurz Ihr Unternehmen und Ihr Angebot.
Bloofusion ist eine Online-Agentur für Suchmaschinen-Optimierung (SEO) und Suchmaschinen-Marketing (SEM). Wir versuchen uns von anderen Agenturen vor allem dadurch zu unterscheiden, dass wir individuelle Lösungen finden: Wir analysieren, was der Kunde braucht, und stellen dann ein individuelles Paket zusammen. Der Kunde kann alles schlüsselfertig von uns bekommen oder eben nur die Beratung erhalten, die er braucht, um die Optimierung selber in die Hand zu nehmen. Wir haben verschiedene Fokus-Branchen: Online-Shops/E-Commerce, Pharma, Portale, Touristik und Web 2.0. Prinzipiell beraten wir aber natürlich Unternehmen aus allen Branchen.
Herr Hövener, bitte schildern Sie unseren Lesern kurz den Unterschied von Suchmaschinen-Optimierung (SEO) und Suchmaschinen-Marketing (SEM).
Suchmaschinen-Marketing (SEM) ist die einfachste Form, Suchmaschinen als Werbemedium zu nutzen: Man schaltet Textwerbungen auf Suchmaschinen (bei Google rechts und oberhalb der Suchergebnisse). Bezahlt wird nur, wenn jemand auch auf die Werbung klickt. Suchmaschinen-Optimierung ist komplexer. Es geht darum, die Website so zu verändern, dass diese in den normalen Suchergebnissen nach oben kommt. Der Hauptunterschied ist vor allem finanzieller Natur: SEM kostet permanent Geld (eben jeweils pro Click auf die Werbung), SEO an sich ist kostenlos. Das stimmt so natürlich nur selten, da man für die Optimierung ja auch Zeit benötigt oder das gleich an eine Agentur auslagert. Und dann gibt es noch einen wichtigen Unterschied: Bei SEM erhalten Unternehmen fast garantiert Traffic, solange sie genug Geld auf den Tisch legen. Bei SEO ist das nicht unbedingt der Fall: Wenn elf Unternehmen in die Top 10 möchten, wird es eines garantiert nicht schaffen.
Zählen Preisportale zu Ihren Kunden? Wie unterscheidet sich SMO beim Preisvergleichsportal im Vergleich zu anderen Portalen?
Wir arbeiten nicht direkt für Preisvergleiche – eher für Aggregatoren. Spannend ist vor allem unser Kunde Wize.com, der nicht primär ein Preisvergleichsportal betreibt, sondern versucht, Testberichte zu analysieren und daraus Kaufempfehlungen zu machen. Preisvergleichsportale haben eine recht undankbare Position, da sie fast ausnahmslos über dieselbe Produktdatenbank verfügen. Daraus folgert, dass alle nahezu identische Inhalte anbieten und damit auch auf nahezu identische Suchbegriffe abzielen. Die Aufgabe, das 423. Preisvergleichsportal zu optimieren, würden wir also direkt ablehnen, weil wir dort keine Erfolgschancen sehen würden. Andere Portale verfügen in der Regel über eigenen Content und sind daher mit Preisvergleichsportalen kaum vergleichbar.
Mit boddi.de hat ja nun Web 2.0 auch die Preisportale erreicht. Was ist bei der Suchmaschinen-Optimierung für Web 2.0-Sites anders, worauf sollten Preisvergleichsportale Betreiber achten?
Web 2.0 heißt ja vor allem, dass Benutzer einer Plattform Inhalte beisteuern. Auch wenn „Content is King“ immer noch gilt, müssen Inhalte halt auch auf Suchbegriffe abgestimmt werden – und darauf achten die Nutzer bei der Erstellung ihrer Inhalte natürlich nicht. Web 2.0 ist also erstmal nur ein Stichwort; ob der Betreiber daraus Kapital schlägt, steht auf einem anderen Blatt.
Für Preisportale sind die searchbots der Suchmaschinen genauso wichtig wie „echte“ Besucher. Suchmaschinen legen auf Aspekte Wert, die beim Design des Online-Shops häufig nicht beachtet werden. Wie lassen sich diese getrennten Welten auf der Website vereinen? Wo endet Web-Design und beginnt Suchmaschinen-Optimierung?
Die beiden Disziplinen sind ja nicht unvereinbar. Viele Web-Designer schauen aber vielleicht eher aufs Design und verstehen nicht besonders viel von den Anforderungen der Suchmaschinen. Es gelingt in der Regel, beide Seiten gut miteinander zu verbinden, z.B. indem man auf CSS-basiertes Layout setzt. Auch sind z.B. umfangreiche Produktbeschreibungen sinnvoll, da diese von Suchmaschinen und von Besuchern honoriert werden.
Preissuchmaschinen sind spezialisierte Suchmaschinen. Wodurch unterscheiden sich Suchmaschinen-Marketing und Preisportalmarketing? Welche Mechanismen sind gleich?
Suchmaschinen-Marketing ist meistens wohl etwas komplexer. Auf einem Preisportal können werbende Unternehmen eher davon ausgehen, dass jemand eine Kaufabsicht hat. Bei Suchmaschinen-Marketing muss das ja nicht unbedingt der Fall sein: Wenn jemand nur „Fotodrucker“ in eine Suchmaschine wie Google eintippt, muss dieser ja nicht unbedingt kaufwillig sein. Beim Preisportalmarketing ist häufig sicherlich der Preis der entscheidende Faktor. Bei Suchmaschinen muss das nicht unbedingt der Fall sein.
Als Autor des Booklet "Suchmaschinen-Marketing für Entscheider" geben sie einen Überblick über die wichtigen Aspekte der Suchmaschinen-Optimierung, bezahlte Suchmaschinen-Werbung, Verlinkung, Portal-Marketing und vieles mehr. Was können Sie Shopbetreibern zu Preisportalmarketing sagen?
Ob Preisportalmarketing Sinn macht, muss jedes Unternehmen selber entscheiden. Falls ein Kunde z.B. einen Online-Shop für exklusive (und damit teure) Nachttischlampen betreibt, funktioniert Preisportalmarketing wahrscheinlich eher nicht. Falls der Kunde über ein gutes Sortiment mit konkurrenzfähigen Preisen verfügt, sollte er Preisportale durchaus mal ausprobieren.
Als Autor der Fibel "Die Anatomie des Suchens" widmen Sie sich der Frage, wie in Suchmaschinen gesucht wird. Wie unterscheiden sich Schnäppchenjäger, Preisbewusste die einen seriösen Händler suchen und der z.B. noch Unentschlossene?
Prinzipiell kann man einer Suche wie „fotodrucker“ natürlich nicht ansehen, welche Art von Kunde dahintersteckt. Häufig ist es aber so, dass sich Kunden durch bestimmte Suchanfragen zu erkennen geben: So sucht der Preisbewusste nach „fotodrucker billig/preiswert/günstig“, an Qualität Interessierte eher nach „fotodrucker testsieger“, wieder andere nach sehr spezifischen Eigenschaften wie „mobile fotodrucker“ oder „fotodrucker thermo“. Da müssen sich Online-Händler also sehr genau anschauen, wie jeweils gesucht und ihre Website oder ihre SEM-Kampagnen darauf abstimmen.
Corporate Blogs sind Trend. Mit Dealjaeger bietet auch das erste Preisportal diesen Service. Welche Erfolgsfaktoren gelten für Corporate Blogs von Preisportalbetreibern? Was ist bei der SEO für den Blog (da Inhalte i.d.R. nicht Angebotsrelevant) zu beachten?
Vor allem ist wichtig, dass für ein Blog die gleichen Grundvoraussetzungen wie für jede andere Website gelten. Häufig denken Unternehmen, dass Blogs von Suchmaschinen bevorzugt werden, aber das ist nicht der Fall. Ansonsten gelten grundsätzlich zwei Erfolgsfaktoren: Verlinkung und Inhalte. Das Blog muss von vielen anderen Websites verlinkt werden. Und interessante, auf Suchbegriffe abgestimmte Inhalte müssen in dem Blog zu finden sein. Für beides hilft es in der Regel, wenn man kontroverse Meinungen vertritt oder wirklich relevante Informationen anzubieten hat.
Als einer der ersten Preisvergleicher bieten eVendi Videocast, eine Mischung aus Information und Entertainment. Wie wird die Relevanz der immer beliebter werdenden Videos von Google & Co ermittelt? Wie wirken sich dies auf das Listing aus?
Das Stichwort lautet „Universal Search“: Suchmaschinen-Ergebnisse bestehen immer seltener nur aus zehn Suchergebnissen, sondern werden durch Ergebnisse bereichert, die aus verschiedenen Datenbanken gespeist werden. Wenn es einem Unternehmen gelingt, mit einem Video in den Suchergebnissen zu erscheinen, ist das schon gut: Video-Inhalte werden als sehr attraktiv wahrgenommen. Ich kenne aber noch keine Statistiken, ob und wie sich derartige Inhalte im Umsatz wiederfinden. Der eVendi-Videocast zum Thema Gartengeräte war jedenfalls unter Suchbegriffen wie „heckenschere“ bei Youtube nicht zu finden – und ist damit auch nicht bei Google zu finden. Um in den Suchergebnissen aufzutauchen, wäre aber noch mehr nötig: So ist für Google sicherlich wichtig, wie oft ein bestimmtes Video aufgerufen und in andere Websites eingebaut wird – ein Indiz dafür, dass ein Video beliebt ist. Um das zu erreichen, müsste man mit Heckenscheren aber sicherlich wildere Sachen anstellen.
Laut unseren Analysen finden die Nutzer von Google &Co insbesondere bei konkreten Artikelnamen auf den fordern Plätzen häufig nur Preisportale. Kann man bei Preisportalen mit Millionen von Angeboten und Einträgen schon von Suchmaschinen-Spam - dem Einsatz von Tricks zur Steigerung der eigenen Suchmaschinen-Positionen- sprechen?
Die Grenze zum Spam ist ja fließend. Spam ist aber eher etwas negatives, um Suchmaschinen zu beeinflussen. Dass Preisportale soviele Produkte und damit auch soviele Seiten haben, ist einfach eine Eigenschaft der Preisportale. Mit Spam hat das aber eher nichts zu tun.
Herr Hövener, Sie sind in einer Studie der Frage nach gegangen, wie Fachverlage ihre Websites auf Suchmaschinen ausrichten. Wie schätzen sie deren Chancen ein über ihre Themenautorität überdurchschnittlich hoch gelistet zu werden? Können die Fachverlage –wie z.B. Chip.de erfolgreich beweist- durch die Integration eines Whitelabel-Preisportals für den Händler überdurchschnittliche Konversion Rate generieren?
Prinzipiell haben Fachverlage und deren Medien sehr gute Chancen auf gute Suchmaschinen-Rankings, da diese oftmals gut verlinkt sind und zudem interessante, relevante Inhalte zu bieten haben. Dass viele Fachverlage diese Möglichkeiten noch nicht konsequent nutzen, ist sicherlich schade.
Ob Whitelabel-Preisportale überdurchschnittliche Konversionsraten haben, kann ich nur raten. Ich glaube aber schon, dass hier das Branding des Verlages helfen kann, beim Benutzer des Preisportales Vertrauen zu wecken und damit Kaufentscheidungen positiv zu beeinflussen.
Herr Hövener, vielen Dank für das Interview.
Gesprächspartner war Thomas von Hören
Weiterführende Studien und Analysen von Herr Hövener finden Sie hier:
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